The Machine Cast #81 by Viktor Talking Machine

Die ganze Welt scheint von MP3 und Streaming besetzt. Die ganze Welt? Nein! Die zwei Vinyljunkies von VIKTOR TALKING MACHINE lieben und leben Platten.

Mit einer wahren Hingabe für das schwarze Gold verwandeln sie die Clubs der Republik in Tempel der Extase. Hier reicht sich Fluffiger House geschmeidig die Hand mit soulig-warmen Tracks voller Groove und Atmosphäre. Es ist nahezu magisch: Tracks finden in ihren Sets zueinander, als wären sie schon immer füreinander bestimmt gewesen, wussten es bisher nur noch nicht.

Kein Wunder, so scheinen VIKTOR TALKING MACHINE unter der Woche nichts anderes zu machen als Platten zu suchen oder an Mixen zu schrauben, wie in ihrem vor kurzem Veröffentlichten der neuen Podcastreihe „Music with Sleeves„.

DrLima konnte die zwei Herren aus Halle für den neuen Machine Cast gewinnen, der nun ebenfalls „Vinyl only“ ist.

Und wer schon immer mehr über die Herren wissen wollte: Wir haben uns mit VIKTOR TALKING MACHINE im Schaumbad getroffen und den Jungs ein paar Fragen gestellt.

Schon der Name „Viktor Talking Machine“ verrät eure Nähe zu Vinyl. Welche Bedeutung haben Platten für euch?

Platten sind für uns der ideale Musikträger und umgeben uns ständig. Wir sind mit dem CD-Hype aufgewachsen und Platten waren Ende der 90er ja schon fast abgeschrieben. Im Netz wurden dann tonnenweise Plattensammlungen zu Spottpreisen verkauft. Und genau da kamen wir ins Spiel. Wir konnten eine gut sortierte Sammlung ergattern und das billigste Equipment diente uns als Unterrichtsmaterial. Vermutlich war das die harte DJ-Schule. Am Anfang arbeiteten wir auch mit CDs und haben stundenlang gebrannt und Labels beschriftet. Die MP3-Welle hatte uns auch mitgenommen, aber nach einem kurzen Ritt wieder lieblos ausgespuckt. Für uns sind also die Platte und die Plattentasche eine logische Entwicklung. Visuelle Vorteile, bessere Kauf-Filter, die Platte als Möbelstück sind alles Eigenschaften des schwarzen Goldes, auf die wir nie wieder verzichten wollen.

Gab’s da auch schon mal einen Bandscheibenvorfall vom Plattenkoffertragen?

Zum Glück nicht. Das liegt vermutlich aber auch daran, dass wir unter der Woche sehr viel Sport machen, um die fehlende Bewegung auszugleichen. Da wird viel Fahrrad gefahren, Fußball gespielt oder ein paar Hanteln durch die Gegend getragen. Hinzu kommt jedes Wochenende Treppentraining. Da müssen wir unsere Platten aus dem 4. Stock wuchten und nach einem durchfeierten Wochenende auch wieder hoch. Das hält fit. Aber wir können ein paar OPs und Kreuzbandrisse vorweisen. Zählt das auch?

Gab es einen bestimmten Punkt im Leben, an dem ihr euch bewusst entschieden habt, als DJs aufzulegen?

Es gab einen Punkt, an dem wir gemerkt haben, dass wir, wenn wir etwas bewegen wollen, es selbst machen müssen. Es war der innere Drang etwas eigenes zu schaffen. Wir sind in einer sehr ländlichen Region aufgewachsen, da gab es weit und breit keinen Club oder etwas Brauchbares zum Feiern. Das bedeutete, dass wir an den Wochenenden ständig stundenlang fahren mussten. Irgendwann hatte uns das so genervt, dass wir beschlossen, eigene Partys zu veranstalten. Dazu brauchten wir DJs. Wir hatten zwar gesehen, wie man auflegt, von uns wusste trotzdem niemand wie DJing geht. Ohne Plan haben wir kurzerhand das Zepter in die Hand genommen und sind dabei geblieben.

Wie ernst nehmt ihr das Business?

Das Business nehmen wir schon sehr ernst. Wir sitzen jede freie Minute an Tracks und machen uns Gedanken über Viktor Talking Machine und wie wir es schaffen noch mehr aufzulegen. Das würde auch nicht anders funktionieren, da die Maschinerie heutzutage vollen Einsatz verlangt. Allerdings nehmen wir uns als Personen nicht so ernst. Das überlassen wir anderen. Wir hoffen immer, dass man uns anmerkt, wie dankbar wir sind, dass wir auflegen können. Es ist außerdem das Größte für uns mit den Menschen schöne Stunden zu verbringen und ihnen musikalisch den Abend zu versüßen. Und wenn wir dabei noch über uns selbst lachen können … alles richtig gemacht.

Was treibt ihr unter der Woche, wenn ihr nicht in Clubs wie Pratersauna, Odonien oder Distillery auflegt?

Die meiste Zeit verbringen wir im Studio. Dann wird diskutiert, rumgesponnen und Pläne geschmiedet. Freunde und Familie, die am Wochenende leider immer zu kurz kommen, bekommen dann unter der Woche ihre verdiente Aufmerksamkeit. Da wir nicht allein vom Auflegen leben können, gehen wir auch ab und zu unseren gelernten Berufen nach. Dann drehen wir Musikvideos, gestalten Plattencover oder reparieren große Industriemaschinen.

Von welchem eurer Tracks könnt ihr nicht genug bekommen?

Im Moment sind das eigentlich alle unveröffentlichten Sachen. Auch weil wir diese bestimmt noch 1000 Mal hören werden. Ein bereits veröffentlichtes Stück ist unser Happy And Remix für Kotelett & Zadak, der geht immer.

Ihr entscheidet – rote oder blaue Pille?

Rote Pille und ab in den Kaninchenbau.

Wo kriegt man 1 nice Drink in eurer Heimatstadt Halle?

Den gibt es in unserer Lieblings-Bar Czech. Nette Leute, gute Musik, die besten Drinks und den leckersten Brownie der Stadt.

Was sind eure Pläne für 2017?

Wir mögen diese Jahreseinteilung nicht, da wir immer Vollgas geben. Egal ob Weihnachten vor der Tür steht oder der Osterhase seine Eier bunt anmalt. Deshalb sind unsere Pläne eigentlich immer die gleichen: mehr Musik produzieren, mehr Schallplatten auflegen, mehr Menschen mit der Musik berühren. Und um das zu erreichen, müssen wir einfach hart an uns und für uns arbeiten. Dann ist das vielleicht der treffendste Plan für 2017: Mehr für uns und an uns Arbeiten.

Über den Autor

Fraugoldklee Laura. 94er Baujahr. musikfanatisch. Keyboard Cat. Irgendwie liebt sie DAS. Überzeugte Gin Tonic-Trinkerin. Oder ein Weinchen vielleicht. Findet, dass die Welt aus lauter lustigen Dingen besteht, die betrachtet werden von lauter traurigen Menschen, die damit nichts mehr anzufangen wissen.

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